Nun ist es fast geschafft: Der Test bestanden, das Gespräch erfolgreich gemeistert und was folgt ist die Einladung zum Assessment Center, im weiteren als AC abgekürzt.
Grob gesagt ist ein AC ein Verfahren, bei dem ihr mehrere Aufgaben in Gruppen, Paaren und alleine lösen müsst und dabei von 2-5 Personen beobachtet und bewertet werdet.
Ablauf
Ein AC findet meist mit 4-6 Teilnehmern statt. Die Aufgaben sind unterschiedlich, aber meist gibt es ein 'Verkaufsgespräch', eine Gruppendiskussion und eine Präsentation.
Die Zuschauer stammen entweder aus dem Unternehmen oder von einer angestellten Firma und agieren meist nur als stumme Beobachter.
Aus der Sicht des Unternehmens
Das AC ist für das Unternehmen die Möglichkeit, euch auch im Umgang mit Gleichaltrigen zu sehen. Besitzt ihr wirklich die Teamfähigkeiten, die ihr vielleicht im Vorstellungsgespräch so hervorgehoben habt? Seid ihr eventuell herablassend, schüchtern, herrisch? Während der Gruppenaufgabe kann man sehr gut sehen, wie teamfähig jemand ist und ob er versteht, sich einzubringen, aber auch die Art seiner Beiträge wird bewertet.
Genaueres
Assessment Center können ein bis drei Tage dauern oder Teil von mehrtägigen Events sein. Sie gehen über mehrere Stunden.
Ihr bekommt die Aufgaben gestellt (zu denen mehr in den nächsten Blogposts) und habt meist eine kurze Vorbereitungszeit. Vor dem Verkaufsgespräch beispielsweise eine Viertelstunde, um euch Argumente zurechtzulegen und euch ein Konzept zu überlegen.
Zwischendurch kommt es immer wieder zu längeren Wartezeiten, während die Beobachter sich besprechen oder die nächsten Aufgaben vorbereiten. Da man allerdings in einer kleinen Gruppe wartet, kann man die Zeit sehr gut mit Gesprächen füllen. Hätten die Leute vom Unternehmen damals zuhören können, hätten sie es sich vielleicht nochmal überlegt mit uns ;) Seid also nicht zu laut und geht nicht an allzu heikle Themen.
Vor den Aufgaben gibt es meist eine Vorstellungsrunde, in der ihr die Beobachter und eure Mitbewerber kennenlernt.
Danach
Bei mir war es so: Ist das Assessment Center vorbei, wird noch vor Ort die Entscheidung gefällt. Mit jedem Bewerber wird ein persönliches Gespräch geführt, in dem ihm mitgeteilt wird, ob ihm ein Vertrag unterbreitet wird oder nicht und welche Gründe zu dieser Entscheidung führten.
Bei einer Absage erhält er/sie konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge, es werden auch konkrete Situationen genannt, in denen er anders reagieren oder sich einbringen sollte.
Auch bei einer Zusage erhält man noch Feedback, wo Verbesserungsbedarf besteht, aber gleich im Anschluss wird ein vorläufiger Vertrag unterbreitet und die nächsten Schritte besprochen. Damit habt ihr schon ein Stellenangebot sicher. Es steht euch natürlich frei, bei vielen anderen Firmen auch noch Assessment Center zu besuchen, denn mit dem vorläufigen Vertrag ist die finale Entscheidung noch nicht gefallen - doch dazu nach der AC-Serie mehr!
Zum Übersichtspost 'Erste Schritte' geht es hier.
2.5 Assessment Center: Allgemein
Eigene Erfahrung: Einstellungstest und Vorstellungsgespräch
Nun wo ich schon einiges allgemeines zu Einstellungstests und Vorstellungsgesprächen geschrieben habe, möchte ich auch gerne von meiner persönlichen Erfahrung erzählen.
Ich bin nicht unbedingt ein Selbstvertrauen verströmender Mensch, der andere sofort für sich einnimmt, aber ich kann mit Worten umgehen und denke meist nach, bevor ich etwas sage (zumindest wenn es darauf ankommt).
Als ich wusste, dass ich ein duales Studium angehen wollte und auch, welche Richtung es sein sollte, informierte ich mich und fand doch immer nur die gleichen Phrasen und wenige Erfahrungsberichte - das wird hoffentlich mit diesem Blog geändert.
Ich bewarb mich erst nur bei einem einzigen, großen Unternehmen und nach der Absage (das lief alles sehr schnell, nach zwei Wochen war ich schon abgelehnt), verschickte ich 5-6 Bewerbungen.
Die Einstellungstests machten mir keine Probleme, im Gegenteil: meist verließ ich sie mit einem schlechten Gefühl, hatte aber doch bestanden. Wer sich halbwegs gut vorbereitet und in der Schule gut aufgepasst hat, sollte nichts zu befürchten haben.
Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch war ich ein schreckliches Nervenbündel, konnte die Hände nicht ruhig halten und habe nicht immer bedacht geantwortet. Der Personaler war von der Sorte Fährtenhund oder eher -wolf. Er suchte gezielt nach Schwächen der Bewerber, versuchte, sie zu unbedachten Antworten zu bringen - und war meist erfolgreich. Er beeindruckte mich sehr mit diesem Gespür, und natürlich fand er auch etwas bei mir und stürzte sich regelrecht darauf. Vermutlich war das Gespräch da schon gelaufen. Ich gab ein paar dumme Antworten und rückblickend hätte ich mich wohl selbst auch nicht eingestellt. Jedenfalls erhielt ich schnell darauf besagte erste Absage.
Danach war es besser - mein nächstes Gespräch war ganz anders, in entspannter Atmosphäre und ruhig, man suchte nach Stärken und nicht nach Fehlern und am Ende erhielt ich konstruktives, ehrliches Feedback mit Hinweisen, wie ich in Zukunft besser auftreten könnte.
Hier erhielt ich gleich im Anschluss die Entscheidung - eine Runde weiter.
Und es stimmt, was man liest: etwas Übung schadet nicht und man wird von Gespräch zu Gespräch sicherer.
2.4 Vorstellungsgespräch Teil 2
Was ziehe ich nur an?
Die Kleidung ist einer der Faktoren, die den ersten Eindruck prägen. Gerade im Vorstellungsgespräch kann es nicht schaden, sich so gut wie möglich zu präsentieren. Wieder gilt: bleibt natürlich.
Bei Berufen in der Bankwirtschaft bietet sich sehr förmliche Kleidung an: Männer im Anzug, Frauen im Kostüm. In anderen Bereichen sollte es nicht ganz so genau zugehen, aber trotzdem hat der Anzugträger dem Mitbewerber im Pullover meist etwas voraus.
Es gilt: dem Berufswunsch angemessen, lieber etwas feiner anziehen als nötig.
Das Auftreten
Vermutlich werdet ihr nervös sein, aber wichtig ist, dass man es euch nicht auf den ersten Blick ansieht.
Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch konnte ich die Hände absolut nicht stillhalten, was vermutlich der Hauptgrund war, mir eine Absage zu geben.
Das ideale Bewerberbild ist das eines entspannten, offenen, freundlichen, fachkundigen Menschen. Um euch vorzubereiten könnt ihr auch zu Hause mit Freunden oder Familie die möglichen Fragen mehrmals durchgehen, oder ihr erzählt euch vor dem Spiegel eure Stärken und Schwächen. Seid auf jeden Fall selbstbewusst und zeigt, dass ihr genau der oder die Richtige für diesen Job seid.
Bei vielen (wie auch mir) ist eine wichtige Frage: wohin mit den Händen?
Legt sie locker auf die Oberschenkel oder den Tisch, ebenso könnt ihr sie verschränken oder ineinander legen. Versteckt sie nicht unter der Tischplatte oder in den Hosentaschen und sucht nicht nach ständiger Beschäftigung.
Jedes Vorstellungsgespräch ist anders
Es gibt immer sehr unterschiedliche Möglichkeiten für den Verlauf der Gespräche, hier eine Auswahl, was passieren könnte:
Personaler:
- sucht aktiv nach euren Fehlern und nach Gründen, euch nicht einzustellen
- möchte bloß ein entspanntes Gespräch und euch kennenlernen
- das Gespräch führt ihr allein mit 2-3 Mitarbeitern der Firma
- es werden noch mehrere andere Bewerber gleichzeitig interviewt (eines meiner Gespräche fand mit drei anderen statt)
- während des Gesprächs wechselt euer Gesprächspartner z.B. ins Englische (kann bei größeren, international agierenden Unternehmen vorkommen)
- ihr unterhaltet euch ausschließlich auf Deutsch
Was passiert danach?
Ob ihr eine Zusage oder Absage erhaltet, erfahrt ihr meist gleich im Anschluss an das Gespräch, oder aber wenige Tage später schriftlich.
Bei einer Absage nehmt ihr etwas sehr wichtiges mit: Erfahrung und mehr Sicherheit im nächsten Gespräch.
Bei einer Zusage kommt der nächste Schritt: das Assessment Center. (manche Unternehmen unterbreiten auch schon nach dem Gespräch einen Vertrag, andere haben kein Gespräch sondern nur das AC.) Darum wird es im nächsten Beitrag gehen.
Zum Übersichtspost 'Erste Schritte' geht es hier.
2.4 Vorstellungsgespräch Teil 1: Vorbereitung
Von manchen Unternehmen wird der Schritt des Einstellungstests gleich übersprungen, manche haben schon das Vorstellungsgespräch aus ihrer Reihe gestrichen. In den meisten Unternehmen ist es allerdings noch fester Bestandteil des Bewerbungsverfahrens.
Ihr habt nun also eure Einladung erhalten. In dem entsprechenden Brief wird euch Datum, Zeit und Ort genannt. Passt euch der Tag nicht, meldet euch sofort bei der Firma und legt einen neuen Termin fest. Solltet ihr nicht teilnehmen wollen, schickt auf jeden Fall eine Absage.
Aus der Sicht der Firma
Für euren (vielleicht) zukünftigen Arbeitgeber ist das Vorstellungsgespräch eine wichtige Möglichkeit, euch kennenzulernen. Es müssen viele Aspekte betrachtet werden.
Hat der Bewerber die fachliche Eignung?
Wie geht er mit Menschen um?
Würde er gut in das Team passen?
Das Vorstellungsgespräch ist nicht nur für euch wichtig und die meisten Firmen werden versuchen, euch kennenzulernen, um euch besser einschätzen zu können.
Wie bereite ich mich vor?
Bewerbungsgespräche sind firmenabhängig sehr unterschiedlich. Bei manchen Firmen kann es vorkommen, dass ihr mit sehr detaillierten Fragen über ihre Produkte, Marktposition und Geschichte konfrontiert werdet.
Es bietet sich auf jeden Fall an, sich noch einmal mit der Firma, bei der man sich beworben hat, auseinanderzusetzen. Was interessiert euch an der Arbeitsstelle, was an dem Unternehmen? Was sind ihre wichtigsten Produkte oder ihr Alleinstellungsmerkmal? Gibt es vielleicht sogar Fragen, die ihr den Mitarbeitern stellen wollt? Sowas zeigt immer Interesse und Initiative.
Außerdem ist es wichtig, sich auf Fragen vorzubereiten, die typischerweise in Bewerbungsgesprächen gestellt werden.
- Was sind deine größten Stärken/Schwächen?
- Wie arbeitest du unter Stress?
- Warum hast du dich bei unserem Unternehmen beworben?
Es ist wichtig, dass ihr natürlich bleibt, aber euch auch nicht zu schlecht darstellt. Oft wird auch angeraten, eigentliche Stärken als Schwächen auszugeben. ("Ich bin ungeduldig und kann unerledigte Arbeit einfach nicht rumliegen lassen, sondern muss sie einfach machen.")
Überlegt euch genau, was ihr bei Stärken und Schwächen angeben wollt.
Im nächsten Blogpost werde ich darauf eingehen, wie ihr euch verhalten und kleiden könnt und was nach dem Gespräch passiert.
Zum Übersichtspost 'Erste Schritte' geht es hier.
2.3 Einstellungstest
- klärt vorher ab, ob Taschenrechner erlaubt sind
- genug Stifte mitnehmen
- nicht selbst unter Druck setzen
Zum Übersichtspost 'Erste Schritte' geht es hier.
2.2 Bewerbung Teil 2: Das Anschreiben
- rechts oder links oben die eigenen Kontaktdaten
- links oben die Anschrift des Empfängers
- rechtsbündig das Datum
- optional: über der Anrede könnt ihr einen Betreff/ ein Thema für euer Schreiben benennen
- Anrede
- Einleitung, Hauptteil, Schlussteil
- Verabschiedung
- Name (darüber Unterschrift)
Hauptteil
- Unterschrift vergessen
- unsauberes Papier nehmen
- Rechtschreib-/Grammatikfehler
- gleiches Anschreiben an alle schicken oder
- ein Anschreiben aus Versehen an die falsche Firma beilegen
2.2 Bewerbung Teil 1
- Online-Bewerbung
- Bewerbung auf dem Post-Weg
Zum Übersichtspost 'Erste Schritte' geht es hier.
2.1 Wahl des Betriebes
1. Internet
2. Messen
3. Sonstige
Dieser Weg ist mit mehr Bürokratie verbunden, aber man spart sich den kompletten Bewerbungsstress.
Zum Übersichtspost geht es hier.
2. Erste Schritte
- Wahl des Betriebs
- Bewerbung
- Anschreiben
- Einstellungstest
- Vorstellungsgespräch (Teil 1, Teil 2, Eigene Erfahrung)
- Assessment Center: Allgemein, Gruppendiskussion, Rollenspiel, Präsentation
- Unterschreiben des Vertrags